Die Big4 holen die "Besten"?

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Kingdom
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Ich habe hier mal 2 (kritische) Fragen an die Vertreterinnen von E&Y:

In verschiedenen Interviews mit leitenden Angestellten der Big4 habe ich regelmässig gelesen, dass nur "die Besten" von den Universitäten geholt werden. Wie werden "die Besten" definiert? Denn wenn ich so beobachte wer nach dem Bachelor bei den Big4 angefangen hat, dann kann von diesem Anspruch nicht umbedingt die Rede sein. Denn "die Besten" nach intellektuellen/akademischen Gesichtspunkten werden sich wohl kaum um einen Job in der Wirtschaftsprüfung reissen? Somit stehen die Big4 einem Selektionsproblem gegenüber, da sich "die Besten" der Universitäten eventuell gar nicht für diese Tätigkeit interessieren?

Steckt der Wirtschaftsprüfer nicht in einem Zielkonflikt, zwischen ernsthafter und kritischer Prüfung dem Auftraggeber gegenüber und dem Erhalt des Prüfungsauftrags für das nächste Jahr?
Zudem ist er auch eine Art "Teppichklopfer" nach dem Motto: "Wir tun uns gegenseitig nicht weh" und machen einen möglichst guten Eindruck um Aufträge für die lukrative Unternehmensberatung (welche die Big4 ja auch anbieten) zu ergattern?

Grüsse

Dominik

ernstandyoung
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Ach, wenn es doch nur für alles Noten geben könnte..!

Hallo Dominik

Was heisst denn „die Besten nach intellektuellem/akademischem Standard“? Ein brillianter Intellekt resultiert nicht unweigerlich in akademisch messbaren Leistungen und ein summa cum laude Abschluss ist weder Voraussetzung, noch Garantie für den Erfolg im Berufsleben.

Wenn wir die Besten einstellen, dann sind das jene von denen wir annehmen, dass sie den Job am Besten machen werden. Diese Qualifikation mit der akademischen Performance gleichzusetzen wäre nicht nur unklug sondern fatal. Was nützt uns ein High Achiever wenn er sich in kein Team eingliedern lässt?
Die Besten sind jene, deren Lebenslauf nicht nur vielversprechend aussieht, sondern die auch auf Grund ihrer Art, ihren Werten und Zielen zu EY passen. Spielen die Noten dabei eine Rolle? Wenn wir uns zwischen zwei anderweitig gleichwertigen Kandidaten entscheiden müssen, ja. Akademische Leistungen runden das Gesamtbild aber nur ab – sie bestimmen es nicht.
Folglich erübrigt sich auch das von dir entworfene Selektionsproblem: Wer sich nicht für die Tätigkeit im Wirtschaftsprüfungsbereich interessiert, kann diese Definition der Besten nicht erfüllen.

An dieser Stelle würde ich aber gerne selbst eine Frage stellen: Du schreibst „Denn "die Besten" nach intellektuellen/akademischen Gesichtspunkten werden sich wohl kaum um einen Job in der Wirtschaftsprüfung reissen?“ Wieso glaubst du das? Wofür interessieren diese sich denn deiner Ansicht nach?

Zur zweiten Frage: Natürlich möchten wir unsere Mandanten gerne längerfristig an uns binden – nie jedoch auf Kosten der Qualität unserer Arbeit, unserer Objektivität oder gar der Rechtschaffenheit. Ich denke keiner der Big4 kann es sich leisten, das eine oder andere Detail bei der Prüfung zu übersehen oder gar zu ignorieren. Der Schaden, der aus einer solchen Handhabung resultieren würde, wäre ein Vielfaches von dem eines Kundenverlustes.

Liebe Grüsse
Manuela

Kingdom
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ernstandyoung schrieb:
Hallo Dominik

Was heisst denn „die Besten nach intellektuellem/akademischem Standard“? Ein brillianter Intellekt resultiert nicht unweigerlich in akademisch messbaren Leistungen und ein summa cum laude Abschluss ist weder Voraussetzung, noch Garantie für den Erfolg im Berufsleben.

Dies habe ich ja auch nicht behauptet, sondern die Definition euch überlassen.

ernstandyoung schrieb:

Wenn wir die Besten einstellen, dann sind das jene von denen wir annehmen, dass sie den Job am Besten machen werden. Diese Qualifikation mit der akademischen Performance gleichzusetzen wäre nicht nur unklug sondern fatal. Was nützt uns ein High Achiever wenn er sich in kein Team eingliedern lässt?
Die Besten sind jene, deren Lebenslauf nicht nur vielversprechend aussieht, sondern die auch auf Grund ihrer Art, ihren Werten und Zielen zu EY passen. Spielen die Noten dabei eine Rolle? Wenn wir uns zwischen zwei anderweitig gleichwertigen Kandidaten entscheiden müssen, ja. Akademische Leistungen runden das Gesamtbild aber nur ab – sie bestimmen es nicht.

Allerdings hört man von Unternehmen (so auch von euch) immer wieder Aussagen wie: "Noten sind nur am Rande wichtig", in der Realität ist es aber meiner Erfahrung nach häufig so, dass Noten min. eine Art "Eintrittsticket" darstellen und sich doch als wichtiger herausstellen als gerne behauptet wird. Denn schlussendlich stellen Noten das einzige mehr oder weniger verlässliche/glaubwürdige Signal dar, was der Bewerber in den letzen Jahren gemacht/geleistet hat. Da kann in meinen Augen der Lebenslauf noch so schön und bunt sein. Falls sich der Bewerber im Nachhinein als Fehlbesetzung herausstellt, dann kann man wenigstens die universitären Leistungen als Rechtfertigung für die Einstellung anführen.

ernstandyoung schrieb:

An dieser Stelle würde ich aber gerne selbst eine Frage stellen: Du schreibst „Denn "die Besten" nach intellektuellen/akademischen Gesichtspunkten werden sich wohl kaum um einen Job in der Wirtschaftsprüfung reissen?“ Wieso glaubst du das? Wofür interessieren diese sich denn deiner Ansicht nach?

Weil Wirtschaftsprüfung bzw. Controlling im wesentlichen ein auswenigzulernendes Handwerk ist, welches auf lange Frist intellektuell nicht fordert. Es geht in meinen Augen nur darum systematisch ewiggleiche Prozesse durchzuführen bzw. stichprobenartig zu prüfen.
Das könnte vielleicht auch ein Grund sein, wieso viele Leute die Wirtschaftsprüfung als Sprungbrett bzw. Übergang für eine andere Karriere sehen?

Die nach rein akademischen Gesichtspunkten "besten" Ökonomen interessieren sich wohl eher für Jobs bei Nationalbanken & Banken/Versicherungen, bspw. im Researchbereich, der Produktentwicklung oder im Risk Management.

Ich denke entweder man ist der Typ für die Wirtschaftsprüfung oder eben nicht, einen "Mittelweg" gibt es in diesem Berufszweig wohl eher nicht.

Marty Bishop
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Ich denke, dass Deine

Ich denke, dass Deine Schubladisierung der Berufswahl der "besten" Ökonomen (wobei gesagt werden muss, dass man ein Absolvent des Master of Science in Economics NICHT als Ökonom betrachten sollte) ein wenig tendentiös rüberkommt.
Eine Berufswahl ist immer noch eine Interessensfrage und auch im Beruf des Wirtschaftsprüfers gibt es Challenges. Zum Beispiel die Bewertung von SPV, die Quantifizierung der "faulen", verbrieften Produkte in einer Bankbilanz, der Betrugsfall Maddoff, to name but a few...

Was mich aber nervt ist der für mich absolut ungerechtfertigte Kult um McKinsey, Boston Consulting Group, Ernst & Young, KPMG, und PWC.
Da gibt es solche auf Deutsch gesagt "Studiumsmöngis", die von Anfang an proklamieren, dass sie für einen dieser Arbeitsgeber arbeiten wollen und nur für einen solchen. Alles andere sei in ihrem kritischen Auswahlverfahren rausgeflogen.

Diese Studierenden kaufen sich dann Bücher, wie z.B. "Ace Your Case! Consulting Interviews" (dieses Buch war bei Google zuoberst. Deshalb habe ich es erwähnt, nicht weil ich es gelesen hätte) und wissen dann, welche Kravatte nötig ist, wie der Handshake ausfallen muss und wie man berechnen kann, wie gross der weltweite Markt für Statistik-Bücher von Helge Toutenburg ist.

Diese Studierenden sind auch notenmässig top. Dies aber v.a. deswegen, weil sie BWL Fächer belegen und imho stark sind im Auswendiglernen. Sie steuern um die VWL Fächer sicherer herum als der Kapitän des schweizer Schiffes (dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht erwähnt werden soll) um die somalischen Piraten. Sie interessieren sich nicht für das wirtschaftliche Weltgeschehen. Vom hostile takeover approach von BHB Billiton für Rio Tinto wissen sie nur weil sie kurz vor dem Interview noch nach M&A Activity gegoogelt haben.

Diejenigen, die diesen Kult nicht mitmachen, die verfangen sich dann auch nicht im Raster dieser Big Whatevers.
Arbeiten die besten für sie? Das denke ich nun nicht!
Studierende, erweitert euren Horizont!
Arbeitet für diese Firmen nur dann, wenn euch die Thematik interessiert. Wenn es nur wegen dem Namen ist, dann wünsche ich euch happy next 40 years!

Kingdom
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Big4-Kult

Marty Bishop schrieb:
Ich denke, dass Deine Schubladisierung der Berufswahl der "besten" Ökonomen (wobei gesagt werden muss, dass man ein Absolvent des Master of Science in Economics NICHT als Ökonom betrachten sollte) ein wenig tendentiös rüberkommt.

Meine Schubladisierung bzw. Aufzählung ist natürlich keineswegs als abschliessend zu betrachten, ich gebe zu, dass sie etwas "finanzmarktlastig" ist.
Und keineswegs darf ein Absolvent des Master of Science in (Business) and Economics mit einem Ökonomen gleichgesetzt werden, inbesondere hier in Basel nicht, obwohl man gerade hier von offizieller Seite gerne alle WWZ-Absolventen inflationär als "Ökonomen" bezeichnet (man beachte beispielsweise was für ein "Ökonom" im Vorstand der Vereinigung Basler Ökonomen sitzt).

Marty Bishop schrieb:

Was mich aber nervt ist der für mich absolut ungerechtfertigte Kult um McKinsey, Boston Consulting Group, Ernst & Young, KPMG, und PWC.
Da gibt es solche auf Deutsch gesagt "Studiumsmöngis", die von Anfang an proklamieren, dass sie für einen dieser Arbeitsgeber arbeiten wollen und nur für einen solchen. Alles andere sei in ihrem kritischen Auswahlverfahren rausgeflogen.

Genau dieser "Kult" nervt micht auch.
Vorallem sind es dann meist Leute die auf die Frage: "Wieso studierst du Wirtschaftswissenschaften/Ökonomie?" infantil mit: "Weil ich später einmal viel Geld verdienen bzw. Manager werden will" antworten.

Marty Bishop schrieb:

Diese Studierenden kaufen sich dann Bücher, wie z.B. "Ace Your Case! Consulting Interviews" (dieses Buch war bei Google zuoberst. Deshalb habe ich es erwähnt, nicht weil ich es gelesen hätte) und wissen dann, welche Kravatte nötig ist, wie der Handshake ausfallen muss und wie man berechnen kann, wie gross der weltweite Markt für Statistik-Bücher von Helge Toutenburg ist.

Falls man die auswendiggelernten "common sense" Do's und Dont's dann doch wieder vergessen sollte, dann gibt es ja bei den obengenannten UN notfalls noch die Kniggge/Etiquette-Workshops (wie halte ich mein Weinglas, etc.).

Marty Bishop schrieb:

Diese Studierenden sind auch notenmässig top. Dies aber v.a. deswegen, weil sie BWL Fächer belegen und imho stark sind im Auswendiglernen. Sie steuern um die VWL Fächer sicherer herum als der Kapitän des schweizer Schiffes (dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht erwähnt werden soll) um die somalischen Piraten. Sie interessieren sich nicht für das wirtschaftliche Weltgeschehen. Vom hostile takeover approach von BHB Billiton für Rio Tinto wissen sie nur weil sie kurz vor dem Interview noch nach M&A Activity gegoogelt haben.

Es gibt sicher solche die notenmässig top sind und Kapital darausschlagen indem sie möglichst nur einfache Auswendiglernfächer wählen. Allerdings gibt es meines Erachtens noch mehr, welche solche Fächer wählen aber notenmässig nicht einmal davon "profitieren".

Naja wenn die täglichen Informationen zum wirtschaftlichen Weltgeschehen primär aus der 20min stammen ist dies ja auch nicht verwunderlich. Falls man sich überhaupt die Mühe macht die spärlichen Infos durchzulesen und nicht nur das Kreuzworträtsel löst. Und wehe falls an einer Prüfung eine Frage zu aktuellen Gegebenheiten kommt die man nicht auswendiglernen konnte...

Marty Bishop schrieb:

Diejenigen, die diesen Kult nicht mitmachen, die verfangen sich dann auch nicht im Raster dieser Big Whatevers.
Arbeiten die besten für sie? Das denke ich nun nicht!
Studierende, erweitert euren Horizont!
Arbeitet für diese Firmen nur dann, wenn euch die Thematik interessiert. Wenn es nur wegen dem Namen ist, dann wünsche ich euch happy next 40 years!

Vielleicht sollte man diesen Abschnitt in die "Starttips"-Sektion einfügen...