Ein grosser Sympathieträger verlässt das WWZ

Eine Universität besitzt zwei Aufgabenfelder: die Forschung und die Lehre. Für Studenten, die sich entschliessen eine wissenschaftliche Karriere zu verfolgen, mag der Forschungsausweis einer Universität an Gewicht gewinnen, man kann jedoch davon ausgehen, dass für die Mehrheit der Studenten eine gute Lehre wichtiger ist als eine gute Forschung. Mit dem Abgang von Herrn Andrew Lee verliert das WWZ ganz klar auf der Seite der Lehre. Doch wer ist dieser Andrew Lee eigentlich?

Vor fast 25 Jahren zog die Familie Lee von Bolton (ca. 15 km nördlich von Manchester) nach Basel, weil Andrew Lees Vater die Möglichkeit erhielt für drei Jahre am Hauptsitz der Ciba-Geigy in Basel zu arbeiten. Aus drei wurden fast 25 Jahre und Andrew Lee schloss 1996 am WWZ mit dem Lizenziat das Studium der Wirtschaftswissenschaften ab. Er begann bei der Ciba SC zu arbeiten, erhielt dann aber 1997 die Möglichkeit bei Herrn Prof. Borner zu promovieren. Mit der Doktorwürde im Gepäck begann er 2001 bei der UBS als interner Ausbildner zu arbeiten, kehrte aber bereits 2005 ans WWZ zurück, weil er merkte, dass „er sich in einem universitären Umfeld besser aufgehoben fühlte“. Die Möglichkeit Studierende zu betreuen und Forschungsprojekte durchzuführen, gefiel ihm besser als seine damalige Arbeit in der Privatwirtschaft.

„Wenn ich Lehre und Forschung vergleiche, so liegen meine komparativen Vorteile und Vorlieben eindeutig in der Lehre“, sagt Andrew Lee und nennt somit auch den Grund für seinen Abgang. Er verlässt das WWZ um an der Dualen Hochschule Baden Württemberg in Karlsruhe VWL Professor zu werden, denn dort wird er hauptsächlich Lehrveranstaltungen im Bachelorstudium durchführen können.

Andrew Lee widerspricht somit einem beliebten Vorurteil, welches besagt, dass die Lehre für viele Professoren mehr Leid als Freude ist. Zweifelsohne half ihm sein englischer Akzent um die Studierenden auf seine Seite zu ziehen. Jedoch waren es insbesondere seine Begeisterung und Freude, die er stets in den Vorlesungssaal brachte, welche seine Übungen zu den angenehmsten Veranstaltungen machten. Er war stets bemüht die Grundlagen der VWL auf eine einfache und lebensnahe Art zu vermitteln. Beispiel gefällig? „Sie haben gerade in diesem Moment Opportunitätskosten, denn anstatt an der Herbstmesse eine Bratwurst zu essen, sitzen Sie hier und hören dem Lee zu!“

Andrew Lee war mit Unterbrüchen während fast 20 Jahren am WWZ, zuerst als Student, dann als Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter. Diese Tatsache macht ihn zu einer interessanten Referenz für Studenten, weshalb ihm unter anderem folgende Fragen gestellt wurden.

Was wünschen Sie sich von Seiten der Studenten bzw. von Seiten der Universität Basel für die Zukunft? (Was könnte man besser machen?)

Zuerst mal muss ich sagen, dass das WWZ in den letzten 10-15 Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hat, was die Qualität der Lehre, die Kommunikation, die Qualitätssicherung und die institutionelle Absicherung anbelangt. Und zwar in jeglicher Beziehung, auch wenn einige Studierende dies nicht ganz glauben mögen.
Nichtsdestotrotz gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten. Ich denke da bspw. an die internationale Mobilität der Studierenden, die trotz Bologna Reform immer noch stockt. Einerseits herrschen gewisse negative Entwicklungen vor, die wir als Fakultät nicht beeinflussen können, andererseits haben wir in den letzten sechs Monaten versucht, unsere eigenen Prozesse zu optimieren. Ich bin überzeugt, dass die Studierenden in den nächsten Jahren einiges davon merken werden.

Sie arbeiten seit Jahren mit Herrn Weder zusammen. Welchen Tipp würden Sie uns Studenten im Umgang mit ihm geben?

Ja, ich arbeite in der Tat seit Jahren mit ihm zusammen. Im Rahmen des Umzugs nach Karlsruhe habe ich auch alte Kisten vom Lernmaterial aus meiner eigenen Studienzeit gefunden. Und da war eine Seminararbeit von mir dabei, die schon 1994 von ihm betreut wurde. Erstmals „richtig“ zusammengearbeitet haben wir während meiner Assistenzzeit 1998 und seitdem kontinuierlich. Ich kann keinen spezifischen Tipp für den Umgang mit ihm geben. Vielleicht zwei allgemeine Tipps, die für alle gelten:
Erstens kann und soll man Dozierenden wie jeden anderen auch behandeln – höflich, anständig und freundlich (und im Gegenzug, wir Sie ja auch).
Zweitens merke ich, dass die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme mit Dozierenden seit der Erfindung des e-mails merklich gesunken ist. Obwohl ich diese Tendenz begrüsse, habe ich manchmal das Gefühl, dass dadurch auch die Faulheit zugenommen hat. Warum in die Ferne schweifen/suchen, wenn der Prof so nahe liegt… Kein Wunder schwillt die Mailbox von einigen Professoren schnell an.
Ein Extrembeispiel soll die Problematik veranschaulichen: „Können Sie mir sagen, wo die Prüfung stattfindet?“ – eine solche Anfrage habe ich mehrmals erhalten und die Antwort würde man innerhalb von 30 Sekunden im Internet selber finden.
Dies soll nicht als Vorwurf oder als allgemeine Kritik verstanden werden, denn viele Anfragen sind wirklich wichtig und sinnvoll. Sie soll aber als Denkanstoss dienen und ist ein Plädoyer für das Verständnis, wenn eine Antwort nicht postwendend kommt (weil die anderen 10-20 Anfragen zuerst beantwortet werden müssen).

Dass Andrew Lee von vielen Studierenden als sehr „menschlich“ empfunden wird, liegt wohl an der Tatsache, dass er viele persönliche Informationen in seine Übungen einfliessen lässt. Fast jeder Student, der in der VWL 1 Übung war, weiss, dass Andrew Lee ein riesiger FCB-Fan ist und sogar eine Jahreskarte besitzt. Unvergessen ist auch die Übung als er ausnahmsweise sein Handy auf dem Tisch liegen hatte, denn seine hochschwangere Frau war in freudiger Erwartung. Diese schöne Situation wiederholte sich zwei Jahre später. Die folgenden Fragen sollen noch ein wenig mehr über den Menschen Andrew Lee in Erfahrung bringen:

Was an Basel wird Ihnen am meisten fehlen?

In keiner bestimmten Reihenfolge:
FCB, Anglican Church Basel, der Blick auf das Rathaus vom Imbergässlein aus, Heuberg (die Strasse in der Innenstadt, nicht irgendein Haufen Heu irgendwo im Oberbaselbiet), meine Familie und mein Freundeskreis, die Kollegen und Kolleginnen am WWZ, das allwöchentliche Bier (oder zwei) in Kleinbasel mit Freunden, nachdem wir vorher zum Plausch einem Fussball nachgerannt sind (mit den Jahren waren die Bierchen nicht mehr allwöchentlich, dafür wurde immer länger konsumiert!)

Beschreiben Sie sich selbst mit fünf Adjektiven:

Fussballbegeistert, gläübig, familiengebunden, permanent sonnenbrandgefährdet, konfliktscheu.

Ihre verborgene Stärke resp. Schwäche?

Stärke: Bügeln (sagt mir zumindest meine Frau, vielleicht aus Eigeninteresse!)
Schwäche: Alles, was mit Handwerk zu tun hat. Brauche bspw für IKEA Möbel doppelt so lange wie die meisten, und das soll was heissen!

Das RealWWZ möchte sich hiermit herzlich bei Herrn Lee für die am WWZ geleistete Arbeit bedanken und verabschiedet einen der besten oder mindestens menschlichsten Dozenten und wünscht ihm und seiner Familie für die Zukunft alles Gute.

RealWWZ ist für Sie…

Erstens eine gute Abwechslung zu meiner täglichen Internetdosis (von EconLit über Krugmans blog hin zu kicker.de), zweitens ein Informations- und Austauschplattform, wie ich es mir in den 90er Jahren gewünscht hätte (ach, werde ich doch alt) und drittens ein Fundus an Informationen über Studentenmeinungen!

Jean-Michel Benkert - 17. Juni 2009

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